Kulturhistorische Sammlung

Die Retzer Musealgüter umfassen die im Bürgerspital untergebrachten Sammlungen sowie Waffen, Kunstgegenstände und ein Biedermeier-Zimmer im historischen Rathaus („Puntschert-Zimmer“). Das Museum Retz wurde offiziell als „Antikenkammer der Stadt Retz“ 1833 durch die Neuordnung der vormaligen „Städtischen Rüstkammer“ begründet ( Museumsgeschichte) und zählt damit zu den ältesten Museen Österreichs.

Die reichhaltige Sammlung beinhaltet vor allem Objekte aus der bürgerlich-kleinstädtischen Kultur. Hervorzuheben sind die historische Waffensammlung, die Musikinstrumentensammlung (Liszt-Flügel) und von Goldhauben, sowie die Sammlung von Portraits von Bürgerinnen und Bürgern ab dem 17. Jhdt.

Die Sammlungsobjekte stehen in lokalen und regionalen Kontexten und umfassen einen Zeitrahmen vom 16. bis ins 20. Jahrhundert; den Sammlungsschwerpunkt bildet das 19. Jahrhundert.

Sammlungsbereiche: Möbel / Skulpturen / Bildwerke / Volksfrömmigkeit / Paramente und Messgerät / Andenken / Tracht Tischkultur / Textilien und Handarbeiten / Küche und Haushalt / Medaillen und Abzeichen / Politik, Revolution, Kriege / Waffen / Handwerk /Stadtverwaltung und Institutionen.

Einen eigenen Sammlungsbereich (mit ursprünglich eigener Katalogisierung) bildet die Kriegssammlung zum Ersten Weltkrieg von Karl Mößmer im Umfang von etwa 1200 Objekten. Die Sammlung besteht nur zu einem geringen Teil aus Waffen, Munition u.ä., jedoch im Wesentlichen aus Bildern, Fotografien, persönlichen Aufzeichnungen, Urkunden, Feldpostbriefen, Stempeln, Andenkenbildern, Postkarten, Flugschriften, Plakaten, Abhandlungen, Kriegsgefangenenarbeiten, etc. Abzeichen, Kopfbedeckungen, Uniformteilen, Munition, Ausstellungsmodellen, Almanachen, Kriegslotterielosen, Lagergeld, Exlibris, Verschlussmarken, Spendenquittungen, Briefmarken, Sammelbüchsen. Kriegsgefangenenarbeiten u. v. a m.

Derzeit werden die kulturhistorischen Sammlungsgüter durch Mag. Helene Schrolmberger inventarisiert.

 

Urgeschichtliche Sammlung

Sammlungsgeschichte der archäologischen Sammlung im Museum Retz

Wer die ersten archäologischen Gegenstände für das Museum Retz sammelte, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Nach Angaben von Konstantin Goldgruber, der ab 1886 im Museum wirkte, waren vor seiner Zeit außer einigen Mammutknochen keine urgeschichtlichen Funde vorhanden. Die ersten bekannten archäologischen Funde wurden in Retz 1870 im Zuge der Errichtung der Nordwestbahn gemacht. Obwohl man die aufgedeckten Gefäße und Knochen wieder verwarf, war in Retz das Interesse für die Archäologie erwacht.

Auf Anregung des Gemeindesekretärs Puntschert wurde im Jahre 1872 der sagenumwobene „Gupferte Berg“ in Unternalb angegraben. Dabei entdeckte man jedoch nicht, wie erhofft, eine reich ausgestattete Grablege, sondern die Überreste eines mittelalterlichen Hausberges (hölzerne Befestigungsanlage). Im Areal des ehemaligen Ziegelofens Schwach (südöstlich der Stadt Retz) führte der Maler und Korrespondent der k.k. Zentralkommission für Denkmalpflege Ignaz Spöttl im Jahre 1889 eine Grabung durch. Auf der durch den Volksschullehrer Hubert Zwirner entdeckten Fundstelle konnte er hallstattzeitliche Gräber und Speichergruben aus dem Jungneolithikum und der Hallstattzeit aufdecken. Von diesen frühen Forschungen kam jedoch nichts in das Museum Retz. Ebenso wurde die Sammlung des Unterretzbacher Lehrers Ludwig Mattula mit umfangreichem Fundmaterial auch aus dem Retzer Raum 1927 an das Museum Hollabrunn verkauft.

Die ersten archäologischen Objekte dürften vom Museum Retz zwischen 1886 und 1890 erworben worden sein. Leider fehlen diesbezüglich zeitgenössische Aufzeichnungen. Als im Jahre 1890 der Bürgermeister und Kaufmann Alois Richter, unterstützt durch Fachlehrer Hubert Zwirner, die Leitung des Museums (damals Antikenkammer) übernahm, wurden zahlreiche archäologische Funde erworben bzw. geborgen. Unter der Leitung des Bürgermeisters und Weingroßhändlers Karl Mößmer (1907/1913-1934) wurden weitere Fundgegenstände für das Museum ausgegraben und das bis dahin stark angewachsene archäologische Inventar im Jahre 1926 durch Dr. Leonhard Franz geordnet, datiert und katalogisiert. Während der Zeit des Fachlehrers Alexander Sackl als Kustos des Museums (ab 1934) wurden weitere Fundstellen wie die germanischen Siedlungsreste am Galgenberg und frühbronzezeitliche Siedlungsspuren und Gräber in Unternalb entdeckt. Die teils von Sackl und teils von Dr. Beninger durchgeführten Grabungen betrafen aber auch den Westteil der ehemaligen Ziegelei Schwach. Die jüngeren Forschungen gehen vor allem auf den in Retz aufgewachsenen Archäologen Hubert Nutz zurück, der die Grabungen 1988/89 im Althof und 1990 zum Karner der Retzer Stadtpfarrkirche leitete. Im Rahmen seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich auch mit den ur- und frühgeschichtlichen Funden aus dem Retzer Seegebiet.

Derzeit wird die archäologische Sammlung durch Lukas J. Kerbler BA inventarisiert und die archäologische Dauerausstellung neu aufgestellt.

Geologische und paläontologische Sammlung

Die geologische Sammlung beinhaltet die charakteristischen Gesteine des Retzer Raumes und mineralische Besonderheiten (etwa Vivianite aus dem ehemaligen Braunkohlebergbau Langau). An paläontologischen Objekten sind vor allem die fossilen Hölzer (Sumpfzypresse, Palme, Ahorn etc.) hervorzuheben. Auch beherbergt die Sammlung die Überreste unzähliger Arten von Meeresfossilien (Pilgermuscheln, Kammmuscheln, Austern, Turmschnecken, Seekuhrippen, Haifischzähne, Korallen usw.). Weiters sei auch noch auf die verschiedensten eiszeitlichen Lebewesen verwiesen, die rund um Retz freigelegt werden konnten (Mammut, Wollnashorn, Hirsch etc.).

Objekt-Patenschaften

Da uns kein Budget für Restaurierungen zur Verfügung steht, freuen wir uns, wenn wir Patinnen und Paten für restaurierungsbedürftige Objekte finden, die sich bereit erklären, Restaurierungskosten zu übernehmen.

Foto rechts: Hallstattzeitliche Eisenmesser und -ringe aus Retzer Brandgräbern mussten dringend restauriert werden, Archäologe Lukas J. Kerbler, BA und Ludwig Nendwich, der die Restaurierung finanziert hat, freuen sich über das gelungene Werk.